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Schreiben im Plauderton: 7 Tipps, Ihre Leser zu beteiligen und zu unterhalten

Schreiben im Plauderton

Gerade SEO-Texte klingen oft, als seien sie nicht von Menschen geschrieben. Das ist logisch: Sie sind für ein möglichst gutes Ranking bei Google verfasst, aber nicht dafür, die Leser zu informieren und zu unterhalten.

Außerdem lernen wir in der Schule zwar Grammatik und Rechtschreibung, wir lernen aber nicht, wie wir mit unseren Texten eine Beziehung zum Leser aufbauen. Wir lernen nicht, die Leser zu beteiligen, zu überzeugen oder zu inspirieren.

 

Leser wollen menschliche Texte, um eine Beziehung zum Schreibenden aufzubauen. Gerade in persönlichen Blogs wird es immer wichtiger, dem Leser das Gefühl zu geben, dass er den Blogger kennt und dass der Blogger ihn mag.

Wenn unsere Leser uns mögen und uns vertrauen ist das unsere Chance, ihnen unsere Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Daher müssen wir im Plauderton schreiben. Nur: Wie geht das?

 

 

Wie geht Schreiben im Plauderton?

 

Sie könnten einfach Ihren Text ins Unreine sprechen und dabei aufnehmen. Diese Aufnahme tippen Sie dann ab. Aber haben Sie schon einmal ein wörtliches Transkript gesehen? Es ist voller unvollendeter Sätze, voller Grammatikfehler. Menschen sprechen selten korrektes Deutsch, wenn sie reden. Das ist normal.

Im Plauderton zu schreiben heißt allerdings nicht, so zu schreiben wie man spricht. Stattdessen schreiben Sie Ihren Text so, dass er nicht geschrieben klingt. Klingt schwierig? Das muss es nicht sein, wenn Sie die folgenden Tipps beherzigen.

 

 

  1. Schreiben Sie nicht für jeden

 

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine Mail an eine Liste mit 10.000 Empfängern. Wenn Sie dabei an diese 10.000 gesichtslosen Menschen denken, die Ihre Mail bekommen werden, klingen Sie vermutlich so: „Wir danken denjenigen unter Ihnen, die bereits für unsere Aktion gespendet haben. Sie können weiterhin hier spenden.“

Das klingt, als ob Sie eine große Menge Menschen ansprechen, oder? Der Ausdruck „denjenigen unter Ihnen“ macht es total unpersönlich.

Suchen Sie sich jetzt Ihren liebsten Mailempfänger heraus. Nehmen Sie Ihren größten Fan: Er antwortet oft auf Ihre Mails mit Lob oder mit Fragen und auch wenn Sie ihn noch nie getroffen haben, ist er ein Freund von Ihnen: „Haben Sie schon für unsere Aktion gespendet? Vielen herzlichen Dank dafür. Wenn Sie noch nicht gespendet haben, haben Sie hier noch die Möglichkeit dazu.“

Der Plauderton gibt dem Leser das Gefühl, Sie sprechen ihn direkt an. So als hätten Sie beide ein Treffen bei Starbucks und Sie sagen zu ihm: „Ich nehme einen Kaffee, was wollen Sie?“

 

 

  1. Schreiben Sie nicht, um zu beeindrucken

 

Wenn Sie mit einem Freund reden, welche Worte nutzen Sie dann? Versuchen Sie, ihn mit Ihrer hochwissenschaftlichen Sprache zu beeindrucken? Nutzen Sie komplizierte Worte?

Um im Plauderton zu schreiben, lassen Sie das Fachchinesisch weg und machen Sie Ihre Inhalte spezifischer. Sehen Sie sich diesen Textausschnitt an: „Die zukunftsweisende Software vom Marktführer. Planen Sie Ihre Social Media Updates mit unserer preisgekrönten All-in-One-App!“

Und jetzt die Version im Plauderton: „Sparen Sie Zeit mit unserer neuen App. Planen Sie alle Ihre Social Media Updates in einem Schritt!“

Einfühlung ist die Grundlage guter Konversation. Vrstehen Sie die Probleme, mit denen Ihre Leser kämpfen und sprechen Sie diese Probleme in den Worten Ihrer Leser an.

Schreiben Sie, um die Leser zu beteiligen und ihnen zu helfen. „Wollen Sie einen Ingwerkeks zu Ihrem Kaffee? Oder einen Blaubeermuffin?“

 

 

  1. Betreiben Sie Zwei-Wege-Kommunikation

 

Wenn wir schreiben, sehen wir die Person auf der anderen Seite der Konversation nicht. Daher vergessen wir oft, unsere Leser einzubeziehen und schreiben meist aus unserer eigenen Perspektive.

Ein Beispiel, wie sich das “Sich-selbst-Wichtigmachen” in unsere Konversation einschleicht: “Melden Sie sich für unsere Mailingliste an und wir senden Ihnen unsere wöchentliche Mail mit Marketingtipps.”

Erkennen Sie, dass „wir“ und „unser“ selbstbezogene Pronomen sind?

Sie können sich stattdessen auf Ihren Leser fokussieren: „Lassen Sie Ihr Unternehmen wachsen mit schlauerem Marketing. Melden Sie sich jetzt für wöchentliche Mails mit Marketingtipps an!“

Um Sätze zu finden, in denen Sie sich selbst zu wichtig nehmen, suchen Sie nach den Worten „ich“ und „wir“. Schreiben Sie diese um, um die Vorteile für Ihre Leser herauszustellen.

Aber fühlen Sie sich jetzt nicht verpflichtet, alle „ichs“ und „wirs“ zu ersetzen. Sie müssen sich nicht verstecken. Sind Sie Einzelunternehmer, schreiben Sie „ich“, „mein“ und „mich“. Und wenn Sie für ein Team schreiben, nutzen Sie „wir“, „unser“ und „uns“, wenn es angebracht ist.

Gute Konversation geht in zwei Richtungen. Ein bisschen „ich“ oder „wir“ und ein bisschen „du“ oder „Sie“.

„Wie war Ihr Wochenende?“

 

 

  1. Fügen Sie einen Klecks Persönlichkeit hinzu

 

Denken Sie an Ihre Freunde oder Kollegen. Was mögen Sie daran, sich mit ihnen zu unterhalten? Es sind die kleinen Geschichten, die man teilt. Vielleicht reden Sie über eine ungerechte Entscheidung des Schiedsrichters im letzten Spiel, den Film, den Sie gestern gesehen haben oder wo man das beste Schnitzel der Stadt bekommt. Ihre Freunde reden über mehr als das Thema, auf das sie sich spezialisiert haben.

Mit Ihren Inhalten ist es genauso. Wenn Sie nur Ihr Expertenthema diskutieren, zeigen Sie sich als eindimensionalen Experten. Das ist langweilig.

Überlegne Sie, wie Sie Ihre Persönlichkeit in Ihre Blogposts oder Mail einbringen können:

  • Teilen Sie die Fehler, die Sie gemacht haben, damit Ihre Leser davon profitieren können
  • Erzählen Sie eine persönliche Anekdote, um ein Beispiel zu geben.
  • Schaffen Sie sich Ihren eigenen Stil an Metaphern.
  • Erzählen Sie Ihren Lesern, warum Sie die Welt verändern wollen.
  • Fügen Sie Ihren Mails ein persönliches P.S. hinzu – auch wenn es nur ein Kommentar über das Wetter ist oder Ihr persönlicher Tipp für eine super Radtour.

Wenn Sie ein wenig von sich selbst in Ihren Content einbauen, lernen Ihre Leser Sie kennen. Und das ist der Punkt, an dem Contentmarketing magisch wird.

„Ja, mein Wochenende war gut. Meine Schwester war aus den Niederlanden zu Besuch. Zum Glück hatten wir gutes Wetter.“

 

 

  1. Beteiligen Sie Ihre Leser mit Fragen

 

Bauen Sie Fragen ein in das, was Sie schreiben? Untersuchungen haben gezeigt, dass Fragen in Tweets mehr als die doppelte Anzahl an Klicks bekommen. Und noch viel besser: Sie können sogar Ihre Überzeugungskraft erhöhen.

Der Autor Daniel Pink erklärt in seinem Buch „To Sell is Human“, dass eine Frage den Leser zum Nachdenken bringt – sie verarbeiten Ihre Nachricht somit intensiver. Und wenn die Leser Ihnen zustimmen, ist Ihre Frage überzeugender als eine Aussage.

Sehen Sie sich den Unterschied an zwischen

„Sie sollten Fragen einbauen, damit Ihr Schreiben interaktiver wird.“

und

“Wollen Sie Ihr Schreiben fesselnder machen? Stellen Sie Fragen.“

Fragen sind eine kraftvolle Technik, um Ihre Leser mehr einzubinden und zu überzeugen. Sie halten die Leser an Ihren Inhalten interessiert.

 

 

  1. Kürzen Sie Ihre Sätze

 

Die Standard-Marketing-Stimme klingt oft langweilig und wie ein Roboter und eine akademische Sprache schafft Distanz, als ob Sie auf Ihre Leser herunterschauen. Beide Schreibstile neigen dazu, sperrige Sätze zu benutzen – und diese langen Sätze sind schwer zu lesen. Um Ihre Inhalte leichter lesbar zu machen, kürzen Sie lange Sätze.

Hier ist ein langer akademischer Satz:

Sich selbst nur als Experten zu präsentieren, macht Sie eindimensional, aber wenn Sie zusätzlich zum Teilen Ihres Wissens kurze Geschichten über sich selbst erzählen, werden Sie ein mehrdimensionales menschliches Wesen und damit eine faszinierendere Person in den Augen Ihres Lesers.

Puh! Sind Sie jetzt außer Atem? Das ist ein Satz mit 40 Worten!

Hier ist die Version im Plauderton mit nur 9 Worten durchschnittlich pro Satz:

Sich selbst nur als Experten zu präsentieren, macht Sie eindimensional. Vielleicht sogar ein wenig langweilig. Aber wenn Sie kleine Geschichten über sich selbst, Ihre Hobbies und Ihr Leben erzählen, werden Sie ein echter Mensch. Sie werden faszinierender.

In der Grundschule werden wir gelobt für die Verwendung schwieriger Worte in komplizierten Sätzen. Im Studium lesen wir langatmige Sätze vollgestopft mit Worten latenischen und griechischen Ursprungs.

So haben wir gelernt so zu schreiben, dass wir beeindrucken. Wir haben nicht gelernt, wie wir unsere Botschaft übermitteln, wie wir mit Klarheit schreiben und überzeugend sind. Um unsere Leser einzubinden, müssen wir verlernen, was wir in der Schule gelernt haben.

Stellen Sie Ihren Leser an die erste Stelle. Machen Sie Ihre Botschaft einfach. Schneiden Sie Ihre Sätze klein.

„Schickes Shirt tragen Sie. Ich mag die Farbe. Steht Ihnen gut.“

 

 

  1. Trinken Sie nicht mit Ihrem Lehrer Kaffee

 

Schon wenn Sie nur an Ihre Lehrer denken, werden Sie unruhig? Sie werden nervös und denken, Sie machen nur Fehler. Sie sind besorgt, dass Sie verrückt klingen? Sie haben Angst, ihre Erwartungen nicht zu erfüllen?

Das ist der Punkt, an dem Ihr Schreiben gekünstelt wird.

Das Befolgen grammatikalischer Regeln macht das Lesen der Inhalte einfacher. Aber manche Regeln erschweren auch die Lesbarkeit. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, diese zu brechen:

 

  • Nutzen Sie unvollständige sätze. Unvollständige Sätze verwirren die Leser nicht gezwungenermaßen, sie sorgen oft für Klarheit. Indem sie Worte betonen. (So zum Beispiel.)
  • Fangen Sie Sätze an mit „und“, „aber“ oder „oder“. Das macht Ihre Inhalte leichter zu lesen und weniger monoton. Dynamischer. Enthusiastischer.
  • Machen Sie Abschnitte mit nur einem Satz, um besondere Aussagen zu betonen und Lesern Raum zum Atmen zu geben. Ein kurzer Moment der Stille in einer unterhaltung ist gut, oder?
  • Nutzen Sie ruhig auch Ausrufe wie „autsch“, „puh“ oder „häh“. Sie bringen Gefühle in Ihr Schreiben und eine Prise Selbstverständlichkeit. Übertreiben Sie es aber nicht und nutzen Sie diese Ausrufe nicht im falschen Kontext.

 

Schreiben heißt nicht, sich starr an Grammatikregeln zu halten. Es geht um die Kommunikation von Ideen mit Klarheit und Persönlichkeit. Kommen Sie also ruhig auf eine Tasse Tee und einen Schwatz vorbei, aber bringen sie bitte nicht Ihre Deutschlehrerin mit. Sie wird unsere Unterhaltung nur mit ihren pedantischen Einwürfen unterbrechen.

„Ihr Haar ist ganz schön lang. Sie sollten mal zum Frisör.“

Nehmen Sie die Kraft Ihrer Stimme an.

 

Denken Sie manchmal zurück an ein Gespräch, das Sie mit Freunden hatten? Hören Sie deren Stimme in Ihrem Kopf? Genau so sollten Ihre Leser Ihre Inhalte erfahren. Lassne Sie Ihre Worte in ihrem Kopf herumspuken. Inspirieren Sie sie noch lange, nachdem Sie Ihre Worte gelesen haben. In einer Welt endloser Pixel und bedeutungsloser Likes, sehnen wir uns nach menschlichen Verbindungen und Stimmen, die in uns nachschwingen.

Seien Sie also Sie selbst. Machen Sie eine Tasse Tee. Bieten Sie Ihren Lesern ein Stück selbstgemachten Kuchen an. Und haben Sie eine nette Unterhaltung.

„Zucker?“

 

 

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Bianka Bensch
Bianka Bensch betreut Firmenkunden im Bereich Social Media und arbeitet darüber hinaus als freiberufliche Lektorin. Als langjährige Bloggerin, Social Media Managerin und Journalistin schreibt sie auf DMM zu den Themen Onlinejournalismus (im weiteren Sinne auch Blogs) und Social Media.
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3 Comments
  • Siglinde Bickl Sep 4,2018 at 23:01

    Genau so eine Seite habe ich gesucht. Danke

  • Andrea Apr 20,2017 at 19:41

    Liebe Bianka, dein Artikel kommt mir gerade recht, vielen Dank dafür. Ich finde auch, dass ein Artikel wesentlich angenehmer zu lesen ist, wenn er einfach flüssig geschrieben ist und der Autor sich nicht die ganze Zeit Gedanken über Grammatik und Satzbau gemacht hat.
    Liebe Grüße
    Andrea

  • Kay Apr 15,2016 at 16:11

    Da sprechen Sie mir aus der Seele. Ich bekomme öfter gesagt, dass kein „Und“ an den Satzanfang kommt. Aber es klingt schöner. Und flüssiger. Trotzdem tue ich mich mit „offiziellen“ Mails manchmal schwer. Da hab ich dann doch das Gefühl, dass es hochgestochener klingen muss. Meistens kommt ein Mischmasch raus, immerhin ein bisschen lockerer, aber nicht so richtig konsequent.
    Das sind auf jeden Fall Tipps, die wirklich jeder beherzigen sollte.

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