Interview

Social Media Manager: Im Interview mit Ulf Gimm

Hallo Ulf, es freut mich, dass wir dich und deine Arbeit heute im Digital Media Manager Interview vorstellen dürfen.


1. Stelle dich am besten selbst vor.

Ich bin Ulf Gimm (wie die Gebrüder Grimm nur ohne „r“ und keine Märchen). Glücklich verheiratet (danke Parship), 3 erwachsene Mädels und 1971 geboren. Am gleichen Tage kam auch TWEET, eine US-amerikanische Sängerin auf die Welt. Ob das ein Vorzeichen für SocialMedia war?!

Seit 2013 bin ich als „Betriebsfriseur“ oder auch als Marketing und Social Media Manager bei ProCom-Bestmann beschäftigt. Zuständig bin ich hier für die interne Informationskette zwischen unseren 30 Mitarbeitern an 6 Standorten sowie für die gesamte Öffentlichkeitsarbeit zu unseren Themen Headsets und Raumakustik.

2. Wie ist dein persönlicher Werdegang? Wie bist du zu deinem heutigen Job gekommen?

Hui, der Werdegang ist sehr vielfältig und führte mich kreuz und quer durch die Weltgeschichte mit ganz verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Vom mehrjährigem Tourneemanagement von Mike Krüger, über die Tischlerausbildung im eigenen Tischlereibetrieb, zum Patent- und Markenanmelder einer lackierbaren Lederoptik nebst eigener GmbH & Co. KG und Vermarktungen in Shanghai, bis hin zur Markterschließung in der Region D/A/CH für einen südkoreanischen Headset-Hersteller. So habe ich auch meinen heutigen Arbeitgeber, Jens Bestmann, kennengelernt, der mir diesen Job vertrauensvoll angeboten hat.

Er wollte sein Unternehmen, das damals 15 Mitarbeiter beschäftigte, im Bereich Social Media und Marketing optimaler und zielführender aufstellen. Es ging ihm hierbei um die kommunikative Darstellung – sowohl nach innen als auch nach außen. Und ZACK: Das war genau das, was ich mir vorstellen konnte und auch machen wollte.

3. Wie arbeitest du? Wie sieht ein Arbeitstag bei dir aus?

Mittags ganz entspannt aufstehen und überall „Gefällt mir“ drücken. NEIN, natürlich nicht.

Es ist Segen und Fluch zugleich, denn nach dem Post ist vor dem Post. Schließlich schläft das Netz nie und die User/Follower/Fans sind eben auch zum eigentlichen Feierabend aktiv. Das sollte man aus meiner Sicht immer im Auge haben, insbesondere dann, wenn das betreute Unternehmen international tätig ist. Wir betreuen über unsere hauseigene Agentur, die Pixelmacherei, eben solch ein Unternehmen, das sowohl in Südamerika als auch in Asien seinen Absatzmarkt neben dem europäischen bespielt.

Mein Arbeitsalltag setzt sich zusammen aus morgendlicher Recherche: Was ist passiert? Was gibt es Neues? Hierbei wird der Fokus auf Mitbewerber aber auch speziell auf den Beruf bezogen. Es ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Aufgaben, sich stets über Neuerungen informiert zu halten. Nein, man muss natürlich nicht jeden neuen Hype gleich mitmachen – aber darüber Bescheid zu wissen ist nötig.

Tagsüber erstelle ich Redaktionspläne, passe sie den Gegebenheiten an, spreche mich mit unserer Mediengestaltung ab, verfasse mit dem Team neue Texte, erstelle Content und darf dank meinem Chef auch sehr kreativ sein. So entwickeln wir neue Formate und Events, um unsere Kunden glücklich zu machen. Softes Marketing und nicht immer nur der klassische Marktschreier, der behauptet: Wir sind die Besten.

Meine Wirkungsstätte ist zu 80 % im Homeoffice – aber das Gute ist ja, dass so ein Homeoffice mehr schon zum Mobileoffice wird. So reist das Equipment stets mit. Ja, für viele nicht nachvollziehbar. Aber es gehört eine gehörige Portion Selbstdisziplin dazu – und ehrlich gesagt: Ein guter Mitarbeiter im Homeoffice ist für seinen Arbeitgeber sicherlich sehr wertvoll und produktiv, da man doch eher mal auch am Wochenende auf sein Tablet oder Smartphone schaut. Schließlich erscheinen Kommentare und Retweets auch am Samstag und Sonntag in Hülle und Fülle.

4. Welche Arbeitsmittel und Apps sind für dich unverzichtbar?

Da ist zum einen das „Arbeitsmittel“ Mensch. Klingt komisch, jedoch gehört die Pflege und Kommunikation in meinem Netzwerk zu einem sehr großen Informationsaustausch. Es ist eine Wissensbank mit kompetenten Menschen, in der jeder sein Spezialgebiet hat.

Wie Kai Thrun in einem eurer Interviews schon sagte: Es gibt immer irgendwo jemanden, der auf einem Gebiet besser ist als man selbst. Den muss man finden und sich dran hängen. Dies kann zum Start ganz hilfreich sein. – Ergänzend: Nicht nur zum Start! Auch der permanente Austausch mit Kollegen aus dem Netzwerk. Ich bin ein Befürworter von gegenseitiger Unterstützung und Empfehlungen.

Als technisches Arbeitsmittel setze ich auf das Tool „SocialCom“ von brightone. Hierüber planen wir Facebook, Twitter und Instagram – mittlerweile auch die betreuten Kanäle unserer Kunden aus der Pixelmacherei sind dort eingebunden. Anfangs hatte ich immer über die zwei Monitore unterschiedliche Accounts offen und musste hin und her switchen. Puh, das war irgendwann echt nervig und ich kann jedem nur empfehlen, sich ein Socialtool anzulegen. So verliert man auch nicht den Überblick. Als Analysetool (und ehrlich: Ich bin kein Analysefreund) setzen wir googleanalytics ein. Für die Recherche nach Keywords haben wir uns für die kostenpflichtige Version von mangools entschieden.

Neben den klassischen Apps, die sicherlich jeder von uns nutzt (Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare, Xing, Pinterest, Youtube, etc) möchte ich zwei nicht missen. Um mal schnell, ansprechende Videoclips zu erstellen, wenn man zum Beispiel bei einer Veranstaltung ist, nutze ich QUIK. Ich bin begeistert, wie simpel diese Anwendung aufgebaut ist und welche Ergebnisse es ermöglicht. Vorher nutzte ich iMovie – aber durch eine Empfehlung aus dem Netzwerk (danke Kai Heddergott) kam ich eben zu QUIK. Unbedingt mal ausprobieren.
Die zweite APP ist doodle, mit der ich schnell und unkompliziert Umfragen erstellen kann. Hilfreich, wenn es um Terminfindungen mit 30 Mitarbeitern geht.

5. Welche Social Media Kanäle betreust du für deinen Arbeitgeber? Bist du eine One-Man-Show?

Nun, hier was Wichtiges aus meiner Sicht gleich vorneweg: Wenn mit Social Media angefangen wird, startet nicht auf allen Kanälen gleichzeitig, weil ihr glaubt, irgendwas zu verpassen. Sucht gezielt die wichtigsten Kanäle für euch und euer Unternehmen aus. Warum nicht auf Xing beginnen, anstelle von Facebook? Wichtig ist: Regelmäßiges Bespielen von Content, Inhalten, Aktionen, Interaktionen, etc.

Wir selber haben mit Xing angefangen, sind dann über Facebook und G+ (damals noch DER Kanal) zu Twitter und Youtube. Hier erstellen wir besondere Anwendungsfilme für unsere Kunden, die mit den kurzen Erklärfilmen/Tutorials ihre eigenen Mitarbeiter schulen. Youtube wird in den kommenden Jahren immer bedeutender für die Suche werden. Denn einen ganz besonderen Vorteil bietet YT: Die Suche findet ausschließlich innerhalb dieser Plattform statt.

Dann haben wir noch unsere eigene APP und bauen gerade eine Gruppe in Xing auf. Instagram haben wir getestet, sehen aktuell für unser Kerngeschäft nicht den hohen Nutzen. Aber wir schauen mal, denn auch das ist das Schöne an unserem Beruf: Wir können ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Denn auch wenn das Netz nicht vergisst – es verzeiht „Fehler“.

Und wer sich nun denkt: Wow, das macht er alles als One-Man-Show! Sorry, aber das nun wirklich nicht. Zusammen mit meinen zwei geschätzten Mediengestalterinnen, einem Texter und Lektor, einem Azubi und – Trommelwirbel: unserem Chef, der weniger aktiv postet, aber mir sehr freie Hand lässt, Kreativität fördert und vollstes Vertrauen uns gegenüber gibt.

6. Wie findest du die Inhalte für die Social Media Kanäle?

Neben meinem erwähnten Netzwerk recherchiere ich gerne auf favorisierten Webseiten der Headsethersteller, dann in Themenblogs, bei Verbänden, manchmal auch Print, Medienverlagen und durch klassische Newsletter.

Und aus dem Unternehmen selbst. Hier ist die interne Kommunikation mit den Teamkollegen sehr wichtig. Daher erstellen wir jeden Freitag einen internen Newsflash, der ausschließlich für unsere Mitarbeiter ist. Die dortigen Themen werden häufig fürs Onlinestellen aufbereitet. Denn was Mitarbeiter interessiert – das kann auch für Kunden wichtig sein.

7. Wie misst du den Erfolg deiner Social Media Aktivitäten?

Ich hatte mich ja schon oben geoutet: Ich mag nicht wirklich große Analysen.

Der beste Erfolg lässt sich klar definieren: Anfragen aus den Aktivitäten, die dann direkt bei uns landen.
Feedback auf Veranstaltungen von Menschen, die du sonst nie durch Kommentare oder „Gefällt mir“-Angaben wahrgenommen hast. Aber sie konsumieren und interessieren sich für deine Inhalte und sprechen dich direkt auf Themen an. Oder sie rufen an, schreiben Nachrichten per Mail, FB-Messenger oder WhatsApp. Das ist für mich der wichtigste Erfolgsmesser.

Natürlich freut sich jeder, wenn viele auf deinen Post/Tweet/Beitrag reagieren – aber es ist eben nicht alles.

8. Du bist viel innerhalb von Deutschland unterwegs? Gehört das zu deinem Social Media Manager-Dasein?

Aus meiner Tourneezeit mit Mike Krüger habe ich irgendwie Reiseblut in meinen Adern. Daher kann ich sagen: Ja, zu meinem Dasein gehört es definitiv dazu. Und es ist toll, sich mit Menschen direkt Face2Face auszutauschen. Wir sind so viel online im Netz unterwegs, da gehört der persönliche Kontakt für mich dazu. Außerdem erfährt man so noch mehr – und, wie schon oben geschrieben, es ist schön sich ein Feedback einzuholen, durch das man sich ebenfalls weiter entwickelt.

Dank der Bahncard und WLAN lässt es sich auf Reisen sehr gut und entspannt arbeiten. Ich habe gerade mal überlegt: Es sind so durchschnittlich 75 Reisetage, an denen ich unterwegs bin: Bei Kunden, Firmenevents, Branchenveranstaltungen, Weiterbildungen, etc.

9. Was ist dein ultimativer Social Media Tipp?

Sei mutig und Du selbst. Bleibe neugierig und realistisch.

Tanze nicht auf allen SocialMedia-Hochzeiten, aber bringe regelmäßig Neues in den Kanälen, in denen du dich bewegst. Teile gerne auch tollen Content von Mitbewerbern, denn Eitelkeit bringt keinen voran. Sei kommunikativ und lass dich von Rückschlägen und Fehlern nicht entmutigen. Trau dich zu fragen – und gebe selber Antworten. Das Netzt lebt mehr vom Geben als vom Nehmen.
Es ist mehr als nur GEFÄLLT MIR drücken.

Vielen Dank für deine Insights Ulf!

Über Ulf Gimm

Mit jahrzehntelanger Erfahrung als Event- und Tourneemanager von Mike Krüger, gelernter Tischler mit CNC Wissen, Patent-und Markenanmelder, Sales- & Projektmanager für einen Headset-Hersteller und nun beim Headset-Expertenteam von ProCom-Bestmann als  Marketing & Social Media Manager habe ich gelernt, auf was es bei der Berufswahl und Ausübung ankommt: Leidenschaft

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Juliane Benad
Juliane Benad ist Internationale Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing und Social Media-Managerin. Sie arbeitet im Online Marketing eines Frankfurter Fachverlages und betreut hier u.a. die Social Media-Kanäle. Außerdem hat sie ihr eigenes Blog „www.juliane-benad.de“ auf dem sie über Social Media und deren Umsetzung schreibt. Ehrenamtlich berät Juliane Benad Vereine beim Aufbau ihrer Social Media-Präsenzen und Strategien.
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