Interview

Social Media bei der Frankfurter Polizei: Interview mit André Karsten

Social Media Manager André Karsten von der Frankfurter Polizei

In unserer Interviewreihe befragen wir Social Media-Menschen aus Unternehmen, Agenturen, Behörden und Solopreneure zu ihrem Arbeitsalltag.

Heute möchten wir gerne einen Blick hinter die Kulissen einer Behörde werfen. André Karsten, Social Media Manager bei der Frankfurter Polizei, durfte ich das erste Mal beim Social Media Club Frankfurt am Main kennen lernen. Seine spritzige Art seine Arbeit zu beschreiben, reißt ganze Säle mit. Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass uns André heute einen Einblick in seinen Arbeitsalltag als Social Media-Manager bei der Frankfurter Polizei gibt.

André, du bist als Social Media- und Community Manager bei der Polizei Frankfurt am Main angestellt. Aber eigentlich bist du Polizist. Wie bist du an diesen spannenden Job gekommen?

Er kam quasi zu mir. Mein Kollege Dennis Seeger, der den Job bereits ein paar Monate in der Pressestelle der Polizei Frankfurt gemacht hatte, sprach mich während eines großen Polizeieinsatzes einfach an und fragte, ob ich den Job will. Das kam aus heiterem Himmel. Ich war zu diesem Zeitpunkt (Spätsommer 2014) Streifenbeamter auf dem 4. Polizeirevier in Frankfurt am Main. Als ich Dennis später einmal fragte, wie er auf mich gekommen sei, sagte er: „Bauchgefühl“. Die Chemie stimmte einfach.

Wie ist dein Werdegang?

Nach dem Abitur wollte ich mit Rockmusik und auf Bühnen meine Zeit verbringen. Nebenher habe ich Germanistik studiert. Dank zahlreicher interessanter Studentenjobs (u.a. Projektionist in einem Kino, Ramp-Agent am Flughafen, Lagerarbeiter, Verkäufer in einem Musikladen) klappte das Musikerleben auch ersteinmal. Irgendwann dachte ich, ich müsse als Texter in die Werbung. Nach einem Jahr habe ich dann aber festgestellt, dass es das für mich nicht ist. Nach einer reinen Kopfentscheidung hab mich aus der Agentur heraus für die Polizei beworben, das hat dann 2007 geklappt. Musik mache ich aber immer noch. Ohne Musik geht´s einfach nicht.

Erzähle uns von den Social Media Anfängen bei der Polizei Frankfurt am Main. Wann und wie seid ihr gestartet?

Wir sind seit Januar 2014 bei Twitter, seit Januar 2015 bei Facebook und, Überraschung, seit Januar 2016 bei Instagram. Wie du merkst, ist Januar 2017 nichts Neues dazu gekommen, aber wir sind an neuen Sachen dran.

Wie sah damals euer Tagesablauf aus?

Chaotisch. Es gab keinen echten Plan. Aber viel Herzblut und Willen. Wir mussten also erst einmal unseren Flow finden. 2014 sah es auf der Social Media Karte der Polizeien in Deutschland noch nicht so bunt aus, wie aktuell. Also war man großteils erstmal auf sich gestellt. Wir wussten nur eins, wir wollten aktuell und relevant sein und jeden Tag allen Menschen antworten, sollten sie uns etwas fragen. Das bestimmt unseren Tagesablauf bis heute.

Wie viele wart ihr?

Zuerst war da 2014 nur Dennis, bis ich im November 2014 dazu kam. Also Zwei.

Hat sich heute da etwas geändert?

Seit Ende 2016 haben wir zeitweise Unterstützung durch unsere Kollegin Kathrin bekommen, sie ist aber zeitgleich als olympische Hammerwerferin in der Sportfördergruppe der Polizei Hessen und daher meist unterwegs. Seit Februar 2017 haben wir aber mit Dominik einen neuen, festen, Kollegen dazu bekommen.

Wie groß ist euer Team inzwischen?

3 fest. 4 je nachdem ob Kathrin da ist.

Welche Kanäle bespielt ihr und wie habt ihr euch die Arbeit aufgeteilt?

Wir nutzen Twitter, Facebook und Instagram (inkl. Stories). Die tägliche Administration des Büros und Jobs im Allgemeinen hatte Dennis übernommen. Ich war und bin für Beiträge und Community Management (Beantwortung von Anfragen etc…) zuständig. Mit dem Dazukommen von Kathrin und Dominik werden wir uns aber neu aufstellen und die Arbeit dynamisch aufteilen. Bei Einsätzen wie z.B. Fußballspielen, Demonstrationen, werden wir zusätzlich noch von nebenamtlichen Kollegen_innen unterstützt.

Welche Tools unterstützen euch bei deiner täglichen Arbeit?

Für das Community Management nutzen wir SocialHub. Ohne ginge es nicht. Wir als Polizei dürfen nichts übersehen. Jede Nachricht könnte ein Hilferuf sein, ein wichtiger Zeugenhinweis oder anderes in diese Richtung. Wir können es uns da nicht leisten, etwas zu verpassen. Deshalb werden unsere Kanäle auch 24/7 einem Monitoring unterzogen. Wir nutzen Tweetdeck, um einen Überblick bei Twitter über andere (Polizei)Kanäle, Breaking News, Entwicklungen, Trends u.ä. zu haben. Dazu kommen die jeweiligen kostenfreien Analyse-Tools von Twitter, Facebook und Instagram. Und für die interne Abstimmung nutzen wir dann noch klassisch OneNote.

Auf welche Tools möchtest du persönlich nicht verzichten?

Trello. Typorama. VSCO. Quik. Beim Thema Sound / Musik , weil wie gesagt, ohne geht´s nicht, wären da Noisli, Spotify und Shazam. Ja, das sind für mich auch Tools, weil sie mich bei der täglichen Arbeit unterstützen. Runterbringen. Pushen. Je nachdem was ich brauche.

Mit euren Posts habt ihr schon für Deutschlandweite Aufmerksamkeit gesorgt und landet auch immer wieder als gutes Beispiel bei „Beste aus Social Media“

Seid ihr so witzig und kreativ oder habt ihr auch Beratung, die euch in diese Richtung trimmt?

Das sind 100% wir.

Was war dein persönlich coolstes Posting?

Hui. Schwierige Frage. Cool oder nicht, ich liebe nach wie vor das Foto vom Sonnenuntergang, dem Kollegen und dem Schwein, welches wohlgehütet wieder zum Gnadenhof gebracht wird. Von all dem schrecklichen und schlimmen jeden Tag haben wir als Polizisten_innen mehr als genug. Da braucht es auch solche Geschichten.

#Gude Frankfurt! Hier muss auch mal Platz für die schönen Geschichten & Seiten unseres Jobs sein 😊 Deshalb hier eine…

Posted by Polizei Frankfurt am Main on Samstag, 7. Mai 2016

 

Ansonsten ist unsere Stärke unsere Antworten auf Kommentare. Und da vermag ich kaum einzelne raus zu picken. Ich bewerte das nicht nach cool oder uncool.

Wie geht ihr mit Kritik um?

Sehr sehr offen und nehmen sie auch ernst. Wir fordern ja auch regelmäßig Kritik ein, denn nur so können wir besser werden- und das ist erklärtes Ziel.

Habt ihr einen Krisenplan?

Schon immer gehabt, schon vor Social Media. Wir als Polizei können es uns nicht erlauben, keinen zu haben. Man kann und sollte das von uns, von der Polizei, erwarten.

Im behördlichen Umfeld wird immer wieder kritisiert, dass Geld für dieses Social Media ausgegeben wird und das Budget woanders besser eingesetzt wäre.

Warum bist du überzeugt davon, dass Behörden auch über Social Media erreichbar sein sollten?

Mit Social Media wurden weitere Kommunikationskanäle in die Welt getragen. Es ist logische Konsequenz, dass wir also auch dort vertreten sind. Also Ansprechpartner, als Freund_in und Helfer_in. Wir können es uns nicht leisten, dort nicht zu sein. Und die Art und Weise wie Polizei bei Social Media von den Leuten aufgenommen wird, gibt uns, den Fürsprechern, Recht.

Wie ist dein privater Umgang mit Social Media? Notwendige Last oder Lust?

Notwendige Lust. Um den Job gut zu machen, muss man fit und aktuell bleiben. Egal was man arbeitet.

Trennst du Berufliches von Privatem?

Bei Social Media klappt das nicht mehr. Da werde ich automatisch mit meinem Job in Verbindung gebracht. Das stört mich auch (noch) nicht. Aber wenn ich unterwegs bin, mit Familie oder Freunden, einkaufen, auf Konzerten, o.ä. bleibt der Polizist in mir auch in mir. Klare Trennung.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir für die Social Media Welt wünschen?

Dass das folgende Zitat von Noam Chomsky Wirklichkeit würde:

„The internet could be a very positive step towards education, organisation and participation in a meaningful society.“

Danke für dieses Interview lieber André.

Über André Karsten

Redet den ganzen Tag in digitalen Sphären mal als „Polizei Frankfurt“, mal als „*ak“ mit Leuten. Brauchen sie Hilfe, hilft er. Haben sie Fragen, antwortet er. Haben sie Kritik, hört er zu. Er ist immer noch Polizist und hat Berufung statt Beruf gefunden.

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Juliane Benad
Juliane Benad ist Internationale Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing und Social Media-Managerin. Sie arbeitet im Online Marketing eines Frankfurter Fachverlages und betreut hier u.a. die Social Media-Kanäle. Außerdem hat sie ihr eigenes Blog „www.juliane-benad.de“ auf dem sie über Social Media und deren Umsetzung schreibt. Ehrenamtlich berät Juliane Benad Vereine beim Aufbau ihrer Social Media-Präsenzen und Strategien.
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