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Social Media Berater: Unser Interview mit Gero Pflüger

Social Media Berater - Unser Interview mit Gero Pflüger

Hallo Gero, über Twitter „kannten“ wir uns schon länger, aber auf der diesjährigen #dmexco konnten wir uns dank Twitter ganz spontan auch einmal live und in Farbe kennen lernen. Umso mehr freue ich mich, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten.

In unserer Interviewreihe befragen wir Social Media Menschen aus Unternehmen, Agenturen und Solopreneure zu ihrem Arbeitsalltag. Heute möchten wir gerne einen Blick hinter die Kulissen einer Social Media Agentur werfen.

Stelle dich einfach einmal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Danke für die Gelegenheit, diese Fragen zu beantworten! Ich bin 44 Jahre alt, habe nach dem Abitur Verlagskaufmann gelernt und bin sehr schnell ins Grafikdesign gewechselt.

Als Grafikdesigner landete ich dann Mitte der 1990er Jahre beim damals größten unabhängigen Finanzvertrieb Europas und wurde zwei Jahre später Leiter der hausinternen Grafik. Ich war verantwortlich für das Corporate Design des gesamten Konzerns und berichtete dem Vorstandsvorsitzenden direkt. Insgesamt blieb ich zehn Jahre im Unternehmen und lernte jede Menge Marketing-Grundlagen und interessante Kniffe kennen.

2007 machte ich mich mit einer kleinen Design-Agentur selbstständig, seit etwa 2009 verlagerte sich mein Tagesgeschäft weg vom Print-Design immer mehr hin zum Online-Marketing. Seit 2014 bewegt sich mein Unternehmen fast ausschließlich noch im Bereich Online-Marketing.

Wenn du auf Barcamps oder andere Veranstaltungen gehst, mit welchen drei Hashtags würdest du dich und dein Business am besten beschreiben?

#ContentMarketingFuzzi
#Wandern
#SingleMaltWhisky

Was ist deine absolute Stärke in deinem Business und welche Arbeiten würdest du am allerliebsten delegieren?

Vermutlich ist eine wesentliche Stärke, dass ich überhaupt in der Lage bin, zu delegieren. Sonst wäre mein Unternehmen vermutlich längst pleite und ich ausgebrannt. Stattdessen delegiere ich sämtliche Arbeiten, in denen andere besser und schneller – und damit für den Kunden preiswerter – als ich sind und habe somit mehr Zeit, Workshops für Unternehmen durchzuführen, Seminare abzuhalten oder als Redner aufzutreten.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Wie startest du morgens in den Tag? Was ist deine letzte Handlung bevor du Laptop, Tablet oder Smartphone zur Seite legst?

Mein Sohn gibt die zeitlichen Rahmenbedingungen vor. Morgens begleite ich ihn zur Schule – er ist gerade eingeschult worden –, abends bringe ich ihn ins Bett und lese ihm seine Gute-Nacht-Geschichte vor. Manchmal schauen wir uns auch zum Einschlafen seine Lieblinge auf Snapchat an.

Während der Fußwege von der Schule zur Bahn und von der Bahn ins Büro höre ich Hörbücher auf meinem iPhone, in aller Regel irgendein Business-Buch, aber auch triviales Zeugs. Sobald ich in der Straßenbahn sitze, beginne ich mit aktiver Arbeit, meist suche ich hier nach Ideen für die Social-Media-Auftritte meiner Kunden oder lese ein paar Blog-Artikel.

Im Büro arbeite ich meine Aufgaben ab, die sich jeden Tag anders darstellen. Meine Arbeit besteht jedoch sehr viel aus lesen und Vorbereitung auf meine Workshops und Seminare.

Arbeitest du eher klassisch vom Schreibtisch aus oder hast du Züge eines digitalen Nomaden?

Der Schreibtisch ist mein Zuhause, allerdings kann ich meinen Schreibtisch überall dort aufstellen, wo es mobiles Internet gibt. Für mein iPad besitze ich eine externe Tastatur, was ein Laptop völlig überflüssig macht. Das mobile Internet indes erweist sich im Deutschland des Jahres 2016 erstaunlich häufig als ziemlich löcherig. In digitaler Hinsicht trägt Deutschland schon ziemlich häufig Züge eines gescheiterten Staates.

Deine Pflichtlektüre ist …?

… jedes verdammte Blog, das sich auch nur entfernt mit Online-Marketing auseinandersetzt. Und nein, ich schaffe nicht alles.

Welche Veranstaltungen besuchst du und welche würdest du auch anderen Social Medianern empfehlen?

Da bin ich raus. Die meisten der angeblichen Pflichtveranstaltungen erweisen sich oft genug als geschwurbelte Heißluft ohne realen Erkenntnisgewinn – ganz egal, ob sie in Berlin, Köln oder in San Diego stattfinden. Ich erlebe die lokalen Online-Stammtische, die in fast jeder Stadt existieren, häufig als viel erkenntnisreicher. Wenn es meine Zeit zulässt, nehme ich darum gerne daran teil.

Der einzige wirkliche Grund, zu den großen Veranstaltungen zu gehen: Leute in Persona kennen lernen, die man sonst nur über Twitter, Facebook oder Snapchat kannte – das finde ich großartig. Und darum hat sich zum Beispiel mein Besuch auf der dmexco gelohnt.

Social-Media-Menschen empfehle ich hingegen: Raus aus der immer gleichen Soße! Geht mal zu einem regionalen XING-Treffen, wo ihr alle möglichen Menschen trefft, nicht bloß andere Online-Fuzzis, wie ihr es selber seid.

Wie organisierst und motivierst du dich?

Ich beginne mal mit der Motivation – da habe ich kein Patentrezept. Ich arbeite einfach gerne. Das war schon immer so und ist nicht auf andere übertragbar.

Die Organisation hingegen ist für mich eine Frage der Apps. Ich nutze mehrere Apps, die sich über sämtliche meiner Geräte synchronisieren und auch als Web-Anwendung zur Verfügung stehen. Dazu zählt Wunderlist als To-Do-Liste und Trello als Ideenschwein für Blog-Artikel und viel mehr.

Wie sieht es mit deiner Work-Life-Balance aus? Besonders bei Selbständigen gibt es ja diesen Spruch „Man arbeite selbst und ständig.“ Nimmst du dir digitale Auszeiten oder bist du always on?

Als Selbstständiger habe ich gegenüber abhängig Beschäftigten einen Vorteil: Ich kann selbst entscheiden, ob ich jetzt in diesem Moment arbeiten, schlafen oder einer Freizeitbetätigung nachgehen will. So sitze ich oftmals abends auf dem Sofa und lese einen Artikel auf dem iPhone, schlafe mittags ein paar Minuten im Bürostuhl, spiele irgendein Spiel auf dem iPad oder gehe alle zwei Stunden eine Viertelstunde draußen spazieren.

Ansonsten halte ich die Einteilung in »Arbeit« und »Leben« – mit Verlaub – für kompletten Schwachsinn. Das hat nicht einmal etwas mit Selbstständigkeit zu tun, sondern gilt auch für normale Arbeitnehmer. Arbeit ist ein elementarer Teil des Lebens und nimmt meist ein Drittel des Tages ein, mit der Fahrt hin und zurück sogar noch mehr. Arbeit und Leben sind nicht zwei unterschiedliche Dinge. Es ist symbiotisch, gehört zusammen, ist unteilbar.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen, die den Arbeitsteil ihres Lebens gewaltsam vom Rest trennen wollen, für Psychotherapeuten eine wichtige Einkommensquelle darstellen. All jenen, die an ihrer Work-Life-Balance arbeiten, kann ich nur zurufen: Arbeit ist ein Teil des Lebens. Ebenso wie es Schlaf ist, ebenso wie es das Spielen mit euren Kindern ist, ebenso wie es Urlaub ist, ebenso wie es ein gutes Essen mit Freunden ist, ebenso wie es das dusselige Programm im Privatfernsehen ist. Ich arbeite mit Genuss, habe Freizeit mit Genuss und schlafe mit Genuss. Da brauche ich keine esoterische Work-Life-Balance. Und so habe ich auch keinerlei Problem mit der Eigenmotivation – was die Frage von oben vielleicht klärt.

Neben den Social-Media-Auftritten deiner Kunden bist du selbst auch auf einigen Plattformen aktiv. Wie stellst du sicher, dass auf deinen eigenen Kanälen immer etwas was passiert? Welches ist dein Lieblings-Social-Media?

Planung ist das halbe Leben – ich nutze Tools, die Beiträge zu bestimmten Zeiten ausspielen. In meinem Falle handelt es sich um eine Kombination aus CoSchedule und Buffer.

Mein Lieblings-Netzwerk ist derzeit Snapchat. Dort bewege ich mich völlig frei von geschäftlichen Überlegungen und Zwängen. Snapchat ist lustiger als alle anderen Netzwerke.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der gerade überlegt, sich im digitalen Business selbständig zu machen? Was ist aus deiner Sicht ein absolutes Must-Have?

Digitales Business kann ja sehr viel sein – ich kann nur für Social-Media-Marketing im weiteren Sinne sprechen. Mein Rat: Lerne, lerne, lerne. Und höre niemals auf damit. Denn soziale Medien wandeln sich quasi täglich.

Über Gero Pflüger

Gero Pflüger, Jahrgang 1972, leitet eine kleine Social-Media-Agentur in Hannover. Mit ihr unterstützt er vornehmlich mittelständische Unternehmen dabei, erfolgreicher im Social Web zu werden. Seine Dienstleistungen erstrecken sich von der strategischen Beratung über die Qualifizierung von Mitarbeitern durch Workshops und Seminare bis hin zur Übernahme der operativen Social-Media-Tätigkeiten seiner Kunden. Zudem steht er als Redner zur Verfügung.

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Juliane Benad
Juliane Benad ist Internationale Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing und Social Media-Managerin. Sie arbeitet im Online Marketing eines Frankfurter Fachverlages und betreut hier u.a. die Social Media-Kanäle. Außerdem hat sie ihr eigenes Blog „www.juliane-benad.de“ auf dem sie über Social Media und deren Umsetzung schreibt. Ehrenamtlich berät Juliane Benad Vereine beim Aufbau ihrer Social Media-Präsenzen und Strategien.
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