Social Media Weiterbildung

Erfahrungsbericht zum Masterstudium „MA Social Media“ an der Birmingham City University

Erfahrungsbericht zum Masterstudium MA Social Media an der Birmingham City University

Als ich 2010 langsam meinem Bachelor-Abschluss in Kommunikationswissenschaften an der Uni Bonn entgegen steuerte, wusste ich, dass ich mich in meinem Masterstudium gerne auf den Online-Bereich, und dabei insbesondere auf Social Media, spezialisieren möchte. Das ist zwar gerade einmal 6 Jahre her, aber zu der damaligen Zeit gab es im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Masterprogramme, die sich mit diesem Thema außer mal in dem einen oder anderen Seminar auseinandersetzen. Also habe ich mich recht schnell international umgeschaut und bin auf den Masterstudiengang „Social Media“ an der Birmingham City University gestoßen.

Ich bewarb mich, bekam einen Studienplatz, nahm ihn auch an, wechselte aber noch vor dem Studienbeginn vom Präsenz- zum Fernstudium. Im September 2011 ging es dann letztendlich los und ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut, denn für mich war das Studium das Beste, was mir passieren konnte. Jetzt aber erst einmal zu den Hard Facts.

Lernformen

Es besteht sowohl die Möglichkeit, das Studium als Präsenzstudium vor Ort zu absolvieren als auch in Form eines Fernstudiums über das Internet.

Dauer

Die Dauer des Studiums hängt davon ab, ob man den Studiengang in Voll- oder Teilzeit absolviert. Die Engländer sind da ja etwas flexibler. Im Vollzeitmodus dauert das Studium nur ein Jahr, im Teilzeitmodus zwei. Bei mir waren es insgesamt drei Jahre, da ich schwangerschaftsbedingt ein Semester ausgesetzt habe, was problemlos möglich war.

Organisation

Alle Inhalte und Lernmaterialien werden auf der universitätsinternen „Moodle“-Plattform für alle Studenten des Kurses zur Verfügung gestellt. Dort kann man auch die Aufgaben für Lernkontrollen bzw. Modulabschlussarbeiten abrufen und einreichen und man erhält auch dort seine Note.

Besonderheiten des Fernstudiums

Die Betreuung der Fernstudenten durch die Dozenten erfolgte vor allem über E-Mail. Es gab aber auch die Möglichkeit, mit den einzelnen Dozenten Skypegespräche zu vereinbaren und offene Fragen auf diese Art zu klären. Meinen Hauptansprechpartner habe ich sogar häufiger auf Twitter angeschrieben, wenn ich mal schnell eine Frage hatte.

Der Kontakt zu den Kommilitonen vor Ort und auch zu den anderen Fernstudenten erfolgte vor allem über Google+ und Google Hangouts. Man war also nie alleine und trotz der Entfernung im ständigen und teils wirklich sehr regen Austausch mit seinen Kommilitonen.
Die Aufzeichnungen der Vorlesungen bzw. der Präsenzstunden wurde den Fernstudenten immer auf Moodle zur Verfügung gestellt, so dass wir als Fernstudenten keinerlei Nachteile hatten.

Prüfungen

Ich wurde häufig gefragt: „Ja, musst du denn nicht ein einziges Mal nach England, wenigstens für die Prüfungen?“ Nein, musste ich nie! Im Gegensatz zu Deutschland, wo in meinem Empfinden eine regelrechte Klausur-Manie herrscht, habe ich alle Module in meinem Masterstudium an der BCU mit einer Seminararbeit oder einem Projekt abgeschlossen. Die entsprechenden Aufgaben habe ich mir auf Moodle heruntergeladen, eigenständig bearbeitet und auf Moodle zur Benotung hochgeladen. Pro Modul gab es immer eine kleine Seminararbeit oder ein kleines Projekt etwa in der Mitte des Moduls und eine etwas größere Abschlussaufgabe.

Kosten

Zu meiner Zeit war das Fernstudium noch um einiges teurer als das Präsenzstudium, allerdings konnte ich meine Kosten durch ein Stipendium der Universität deutlich reduzieren. Zur Zeit kostet das Studium, egal ob Präsenz- oder Fernstudium, 6.500 Pfund. Das ist sicher nicht wenig, aber wenn man bedenkt, dass man im Vollzeitmodus ein ganzes Jahre schneller fertig ist als in Deutschland und somit schneller Geld verdient, relativieren sich die Kosten schnell wieder.

Birmingham-City University Master Social Media

Inhalte / Module

Das Studium gliedert sich in 4 einzelne Module plus ein Abschlussmodul.

Modul 1: Social Media as Culture

Dieses Modul ist so ziemlich das einzige, das eher theoretisch ausgerichtet ist. In diesem Modul geht es darum, die Entstehungsgeschichte und die technologische Entwicklung des Social Web und dessen Bedeutung für die Gesellschaft zu verstehen und kennenzulernen. Dazu haben wir jede Woche einen Text gelesen und per Blog Stellung dazu bezogen.

Modul 2: Social Media as Practice

Wie der Titel schon verrät, wurde es in diesem Modul wesentlich praktischer. Wir haben uns mit unterschiedlichen Plattformen und Netzwerken befasst, deren Funktionen kennengelernt und alles Mögliche ausprobiert. Wir haben uns bspw. Open Street Maps beschäftigt, dort versuchsweise mal etwas eingetragen und über unsere Erfahrungen gebloggt.

Ein weiterer wichtiger Teil des Moduls war ein gemeinsames Event mit den Studenten vor Ort. Wir haben eine Google Hangout-Woche geplant, in der immer zwei Studenten (ein Fernstudent plus einer vor Ort) ein Google Hangout durchgeführt haben. Ich war Teil des Google Hangouts „Social Media for Charities“, in dem eine Kommilitonin und ich in einer Stunde ein paar NGOs Tipps zu Social Media gegeben haben. 

Modul 3: Online Enterprise and Innovation

Dieses Modul hatte erst einmal nichts mit Social Media per se zu tun, sondern es ging vielmehr um die Themen Entrepreneurship und Innovationen. Wir haben uns also angeschaut, wie Innovationen entstehen, welchen Einfluss die Online-Branche im Bereich Innovationen hat und was das für Entrepreneurship bedeutet. Wir haben uns im Laufe des Moduls mehrere Geschäftsideen aus unterschiedlichen Bereichen überlegt (u.a. Kultur und Bildung ) und – wie könnte es anders sein – darüber gebloggt. Zum Schluss haben wir eine dieser Ideen zu einer vollständigen Geschäftsidee ausgearbeitet und einen Business Plan geschrieben. Praktischer geht es kaum!

Modul 4: Production Lab oder Research Methods

Das 4. Modul dient als Vorbereitung für das Abschlussmodul, in dem man entweder ein Projekt durchführt oder eine „klassische“ Abschlussarbeit (15.000 Wörter) schreibt. Dementsprechend wählt man schon im 4. Modul aus, ob es eher praktisch oder theoretisch weitergeht. Ich selber bin eher ein praxisorientierter Mensch und habe mich deshalb für ein Abschlussprojekt entschieden. Im 4. Modul „Production Lab“ habe ich als Vorbereitung für meinen Abschluss ein Miniprojekt durchgeführt (ich habe u.a. meine erste eigene Website auf WordPress erstellt) und die Grundzüge des Projektmanagements kennengelernt. Die Abschlussprüfung war gleichzeitig der Beginn des Abschlussmoduls: Ich habe mir ein Abschlussprojekt überlegt und die komplette Umsetzung geplant.

Modul 5: MA by Practice oder MA by Dissertation

Die Umsetzung des im letzten Modul geplanten Projektes war dann mein Abschlussmodul. Mein Projekt war der Aufbau der Plattform „Pänz wellkumme“(www.paenzwellkumme.de/), auf der Eltern in Köln die Kinderfreundlichkeit von Orten (Cafés, Geschäfte etc.) bewerten können. Ich habe die Plattform erstellt – wenn auch später mit Hilfe eines Entwicklers, als ich nicht mehr weiterkam -, mich um den Aufbau einer Community auf Facebook, PR und Marketing gekümmert und das gesamte Projektmanagement gesteuert.

Der Abschluss wurde begleitet von einem Projektportfolio, in dem ich die wichtigsten „Achievements“ festgehalten habe. Außerdem habe ich eine ca. 3.000 Wörter umfassende Auswertung geschrieben, in der ich das Projekt aus allen möglichen Blickwinkeln beleuchtet und mein Projektmanagement mit allen Höhen und Tiefen erklärt habe. Die beiden Teile sind übrigens hier zu finden:

https://de.slideshare.net/claireoberwinter/projekt-portfolio-panz-wellkumme

https://www.slideshare.net/claireoberwinter/claire-marie-oberwinter-critical-evaluation-panz-wellkumme

Mein Werdegang nach dem Studium

Noch während meines Studiums habe ich angefangen, hier und da freiberuflich als Social Media Managerin und Beraterin zu arbeiten. Nach meinem Abschluss habe ich eine
Festanstellung angenommen und war für 14 Monate Community Managerin bei NISSAN Center Europe. Dort habe ich mich vor allem um die redaktionelle Betreuung der Social Media Kanäle gekümmert. Seit Januar 2016 arbeite ich selbstständig als Social Media Beraterin, ich biete Workshops an und ich arbeite gerade intensiv an Konzepten für Online-Kurse und Webinare.

Mehr zu mir unter: www.claireoberwinter.com

Mein Fazit zum MA Social Media

Ich habe in der ganzen Zeit des Studiums und auch danach nichts Negatives finden können. Mich hat vor allem die extrem hohe Praxisorientierung dieses Studiengangs begeistert, die mir sehr viel gebracht hat – mehr als es mein Bachelorstudium je gekonnt hätte. Es gab aber auch noch weitere Aspekte, die dieses Studium für mich zu etwas ganz Besonderem und sehr Wertvollem für meine persönliche und berufliche Entwicklung gemacht haben:

  • Die enge und sehr persönliche Betreuung durch die Dozenten
  • Die Form der Abschlussprüfungen, in denen nicht einfach „stupide“ Wissen abgefragt wurde, sondern die immer eine starke kreative Eigenleistung forderten
  • Eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Zeiteinteilung und Unterbrechungen
  • Die Möglichkeit, das Studium in Teilzeit zu absolvieren, was es für Berufstätige besonders interessant macht
  • Der starke Fokus auf persönliche Entwicklung während des Studiums: Es wurden mehrmals Entwicklungsgespräche geführt und in jedem Modulabschluss war es Teil der Aufgabe, die „Key Learnings“ und den gemachten Entwicklungsschritt im Modul zu reflektieren und wieder zu geben.

Ich kann diesen Master allen empfehlen, die gute Englischkenntnisse haben, sich explizit auf Social Media spezialisieren wollen, die gerne praktisch arbeiten und aus Projekten und nicht aus Klausuren am meisten mitnehmen und die sich eine gewisse Flexibilität wünschen. Natürlich ist gerade das Fernstudium nicht für Jeden etwas, aber durch die enge Betreuung und wöchentliche Aufgaben in den Modulen ist es schwer, den Schlendrian einkehren zu lassen.

Im Übrigen war ich doch genau EIN Mal für mein Studium in England, nämlich zur Abschlussfeier im Januar 2015. Ich konnte und wollte es mir einfach nicht nehmen lassen, der Einladung meines Dozenten zu folgen und habe in traditioneller Garderobe meinen Abschluss in der imposanten Symphony Hall in Birmingham gefeiert. Ich war übrigens nicht die Einzige: Ein Kommilitone aus Australien (!) hat sich an dem Tag ebenfalls dazu gesellt und gemeinsam mit den hiesigen Studenten und unserem Betreuungsdozenten einen pompösen Abschluss gefeiert. Nur das mit dem Hüteschmeißen haben wir sein lassen 😉

Claire Oberwinter beim Abschluss des MA Social Media der Birmingham City University

Alle Infos zu diesem Masterstudium gibt es übrigens noch einmal hier: https://www.bcu.ac.uk/courses/social-media

Weitere Erfahrungsberichte:

Impactana: Finden Sie den relevanten Content

Praxis-Tipp: Instagram-Fotos auf Twitter direkt posten

Content Strategy Camp 2016: Lernen, netzwerken und ganz viel Spaß

AMP Seite : Link zum Impressum
Claire Oberwinter
Claire Oberwinter ist Social Media Beraterin in Köln und bietet Einzelberatung,Workshops und zukünftig auch Online-Kurse und Webinare an. Mit ihrem Angebot richtet sie sich vor allem an Soloselbstständige, Solopreneure, Freiberufler und Einzelunternehmer.
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2 Comments
  • […] Erfahrungsbericht zum Masterstudium „MA Social Media“ an der Birmingham City University […]

  • Mai Jul 11,2016 at 17:05

    Hallo Claire, vielen Dank für das Teilen deiner Eindrücke! Ich habe heute per Zufall diesen tollen Master Studiengang gefunden und genau nach so einer Art Review gesucht. Wie schön, dass alles so gut bei dir geklappt hat mit Familie und Studium. Ich bin nämlich momentan in einer ähnlichen Situation wie du damals (bin nun am Ende des Bachelor Studiums angelangt und bin vor Kurzem Mama geworden). Danke nochmals für deinen tollen Erfahrungsbericht! Viele Grüße, Mai

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